Konzert mit Werken von Brahms bis Schnittke

Akteure der Villa Musica

19.04.2015

Konzert der Villa Musica inm Foyer der Remagener Rheinhalle.  Foto: Martin Gausmann

Konzert der Villa Musica inm Foyer der Remagener Rheinhalle.  Foto: Martin Gausmann

 
 

19.04.2015 REMAGEN. So ein Geburtstagsständchen hatte wohl kaum einer im Foyer der Remagener Rheinhalle je gehört, geschweige denn bekommen. Die Happy-Birthday-Melodie in einer freitonalen Version umspielt von melodiefremden Dissonanzen war alles andere als ein eingängiges Gratulationslied.

Darum waren wohl auch viele der Zuhörer dankbar für die Werkeinführung, die Violin-Professor Friedemann Eichhorn, beim jüngsten Konzert innerhalb der klassischen Reihe der Remagener Konzerte zu Alfred Schnittkes Streichtrio gab. Komponiert im Jahre 1985 zum 100. Geburtstag von Alban Berg stellte die Interpretation höchste Ansprüche an Zuhörende wie Ausführende. Immer wieder wurde das Thema variiert.

Musikstile der Vergangenheit und der Gegenwart verschmolzen zu einem großen Ganzen. Die Klangsprache Gustav Mahlers, Schubertsche Friedsamkeit, Anklänge an Johann Sebastian Bach ebenso wie an russische Musik und Sprache, eine zuweilen kinderliedhafte Melodik, bohrende Dissonanzen, Klagegesang ebenso wie lyrische Expressivität sowie dramatische, explosive Stimmung: All das machte Eichhorn gemeinsam mit Sarina Zickgraf (Viola) und Indira Rahmatulla (Cello) hörbar.

Den Einstieg in das Konzert der Landesstiftung Villa Musica mit zwei Professoren respektive Dozenten und vier Stipendiaten hatten die anderen drei Akteure mit der Serenade in C-Dur des Ungarn Ernö von Dohnányi gefälliger gestaltet, aber nicht weniger virtuos. Insgesamt heiter präsentierte sich das Werk des Großvaters des Dirigenten Christoph von Dohnányi und des Politikers Klaus von Dohnányi. Professor Peter Hörr (Cello) sowie Sven Stucke (Violine) und Kundri Schäfer (Viola) packten das Werk beherzt an, verliehen romantischen Gefühlen Ausdruck und meisterten auch schier atemlose Sechszehntelläufe, nachdem sie ihr Publikum bereits mit federnden Rhythmen und präzis gezupften Saiten gebannt hatten.

Ungarische Volksthemen waren in dem Werk ebenso auszumachen gewesen und schlugen einen Bogen zum Thema des Abends: "Brahms in Ungarn". Zu Brahms' Streichsextett Nr. 2 G-Dur taten sich denn auch die Interpreten der beiden Trios im zweiten Konzertteil zusammen und demonstrierten ihre ganze Klasse noch einmal Kollektiv. Die beiden Professoren und vier Stipendiaten bildeten einen überaus schillernden Klangkörper und mit der Bandbreite von sentimentalen Terzen und Seufzerfiguren bis hin zu flirrenden Sechzehnteln spiegelten sie ungarisches Temperament wider. (Andrea Simons)