Eine Geige besitzt man nicht,
man dient ihr

September 2015

Am 12. September gibt derin Magdeburg geboren und aufgewachsene Ausnahme-Violinist Sven Stucke zusammen mit dem Pianisten Johann Blanchard im Kunstmuseum „Kloster UnserLieben Frauen“ derElbestadt ein ganz besonderes Konzert. Unter dem Titel „TheSound of Unity“ anläßlich des 25. Jahrestages derDeutschen Wiedervereinigung feierten die Künstler in New York einen Riesenerfolg.

aspekt: Sie sind beinahe jährlich in Ihrer HeimatstadtMagdeburg zu Konzerten. Was zieht Sie musikalisch immer wieder nach Hause?

Sven Stucke: Da ich in Magdeburg auf vielfältige Art und Weise seit frühester Kindheit gefördert wurde, und dadurch auch in gewisser Weise der Grundstein für die späteren Erfolge gelegt wurde, ist es mir nun ein großes Bedürfnis, dies in einer mir möglichen Form zurück zu ge- ben. Außerdem gibt es ja da zusätzlich auch immer noch einen Heimatbezug durch die hier wohnende Familie, und ich freue mich immer wieder, aktiv am bestehenden und sich immer weiter aus- bauenden Kulturleben der Stadt teilneh- men zu können.

aspekt: Das Konzert am 12. September imMagdeburger Kunstmuseum„Klos- terUnserLieben Frauen“  unterdem Titel „The Sound of Unity“ ist nach dem Riesenerfolg in New York ein ganz be- sonderes. Warum?

Sven Stucke: Ja, wir (der Pianist Johann Blanchardundichsowie W&TArts Promotion)  freuen uns sehr, dieses Pro- jekt nuninMagdeburg anlässlich des 25. Jahrestages derWiedervereinigung Deutschlands präsentieren zu können. In gewisser Art und Weise kommt „The SoundofUnity“  nun„  nachHause“, denn ohne die vielfältige Unterstützung der Gedenkstätten des Landes Sachsen-Anhalt und des Museums Deutsche Teilung Marienborn wäre dieses Projekt undenkbar gewesen. Daher ist es großartig, dieses Event nach Magdeburg zu bringen, und hier nun einmal eine etwas andere Art und Weise der geschichtlichen Aufar- beitung in Form des Exhibit in Concert/Galakonzertes präsentieren zu dürfen. Daher auch noch einmal einen großen Dank an die tollen Unterstützer.

aspekt:  Sie sind wenige Tage vor Weihnachten 1987 geboren, also noch als DDR-Kind, kennen wahrscheinlich dieWendenurausdemGe- schichtsbuch und sind heute mit Auftritten auf allen Kontinenten ein Weltbürger. War das der Grund, dass die Wahl für dieses musikalische Ereignis zu diesem Anlass gerade auf Sie fiel?

Sven Stucke: (Lacht) Ja, die persönlichen Erin- nerungen an die Wendezeit sind auf Grund des zu diesem Zeitpunkt relativ jungen Alters wohl etwasunscharf.  Eingewisserbiografischer Bezug ist dennoch erkennbar. Die Geschichte meines Landes undder Umgang damit,  war und ist für mich immer von großer Bedeutung gewesen. Vor allem, wenn man die meiste Zeit des Jahres im Ausland verbringt undandere Kulturenkennenlernt,  merktmanmanchmal erst, wie lehrreich und wertvoll unsere eigene Vergangenheit ist. Und genau an diesem Punkt wollte ich ansetzen. Die zwei Welten Musik und Geschichte zu einer sich gegenseitig in- spirierenden Einheit zu verbinden.

aspekt: Sie haben mit sechs Jahren das Violinspiel begonnen. War- um Violine und nicht Schlagzeug?

Sven Stucke: Hm, schwierige Frage,….wahrscheinlich, weil mir Melodik immer lieber wahr als Rhythmik und unsere Schallplat- ten zu Hause eher diesen Bereich abdeckten.

aspekt: Wer hat Ihr Talent entdeckt, und war das Üben immer nur Freude?

Sven Stucke: Ich denke, dass meine ersten Lehrer diejenigen waren, die in mir ein Talent zum Geiger entdeckten und zu fördern begannen. Allerdings kommen die größten Förde- rer aus der eigenen Familie…meine Eltern! Nein, üben ist definitiv nicht nur Vergnügen. Dass Resultat allerdings, die bestmögliche musikalische Darbietung, ist aber Ansporn genug, es dennoch immer wieder stunden- lang zu versuchen. (Lacht).

aspekt: Es heißt, Sie hätten eine Vorliebe für die 24 Paganini- Capricen, von denen manche behaupten, sie seien fast nicht spielbar. Ist das eine besondere Herausforderung?

Sven Stucke: Oh, ja natürlich. Welcher Geiger fühlt sich nicht da- von inspiriert. Außerdem ist dieses Werk das vielleicht beste Aus- bildungsbuch in der Geschichte des Violinspiels. Jede Caprice be- fasst sich mit einem anderen technischen Aspekt des Geigens, ohne aber dabei die musikalische Ausdruckskraft zu verlieren. Zum Glück kann ich heute sagen, dass sie alle spielbar sind.

aspekt:  Für einen Violinisten ist das Inst- rumentvon  enormerBedeutung. Die Schweizer Maggini-Stiftung vertraute Ihnen schon in sehr jungen Jahren eine Vuillaume-Geige an, dann aus einer Geigenbauerdynastie frü- her eine italienische Violine von Joseph Guarneriusfilius Andrae. Auf welchem Instrumentspiele Sie in Magdeburg?

Sven Stucke: Ja, diese Zusammenarbeit mit der Maggini Stiftung und die Mög- lichkeit, diese wertvollen italienischen Instrumentespielen zu dürfen, ist fan- tastisch. In Magdeburg spiele ich wahr- scheinlich auf einem altitalienischen In- strument aus dem Jahre 1725.

aspekt: Sie haben eine Vielzahl von mu- sikalischenAuszeichnungenausaller Welt. Ist das Vertrauen, ein solches Inst- rument in der Hand zu halten, nicht die bedeutendsteAuszeichnungfüreinen Künstler?

Sven Stucke: Selbstverständlich ist dies einegroßeEhre,  dieteilweise Millio- nen Euro teuren Instrumente spielen zu dürfen. Es ist gleichzeitig aber auch ein extremerAnsporn,  diesenInstrumen- ten gerecht zu werden. Es ist eigentlich so, dass man nie eine Geige besitzt, es ist vielmehr andersherum;  mandientfür eine gewisse Zeit dem Instrumentund versucht, mit ihm die bestmöglichen Re- sultate zu erreichen.

aspekt: Sagt Ihnen der Titel „Erfassung und Schulung des Aufmerksamkeitsver- haltens im Sport und in der Musik mit- tels HEG - ein Forschungsansatz“ einer wissenschaftlichen Arbeit der Otto-von- Guericke Universität Magdeburg, etwas? Wenn ja, welche Rolle haben Sie dabei gespielt?

Sven Stucke: Oh ja, ein verkabelter jun- ger Mann(ich) spielt sein Instrument oderarbeitetmentaleinStück durch.  Erstaunlich,  welcheGehirnaktivitäten da zu Tage treten. Diese im Sport schon verbreiteten Studien könnensicherlich auch in der Musik zu tieferem Verständ- nis des mentalen Aspektes beim Spielen verhelfen.